Bild: Jan Philipp Albrecht

Potenziale und Herausforderungen in einer neuen Ära der Kommunikation

Diskussion „Demokratischer Diskurs 2.0“

Erstellt am 09.06.2017

Wie erreichen Medien heute und in Zukunft ihr Publikum? Wie und warum hat sich der Medienkonsum verändert, wie sieht Qualitätsjournalismus der Zukunft aus - und wer finanziert ihn? Welche Rolle spielt das Verhältnis traditioneller zu den so genannten „alternativen“ Medien? Wie beeinflussen neue Medien und technologische Trends Kampagnen und Wahlkämpfe?

Hauptredner Rasmus Kleis Nielsen vom University of Oxford Reuters Institute for the Study of Journalism gab den Input for die Debatte, zu der Jan Philipp Abrecht, MdEP, und Helga Trüpel, MdEP, am 7. Juni in das Europäische Parlament in Brüssel einluden. Der Experte für digitale Herausforderungen des Journalismus zog die Linie von EU-weit geändertem Medienkonsum, eingebrochenen Werbegewinnen der Verlage bis zur Entwicklung neuer journalistischer Projekte und Plattformen. Damit gab er den Anstoß zu Debatten über digitale Trends und die Krise des traditionellen Journalismus mit Joris van Hoboken von der Universität Amsterdam und Marta Peirano, Redakteurin der spanischen Online-Zeitung eldiario.es sowie über Wahlkampagnen mit Prof. Dr. Katharina Kleinen-von Königslöw von der Universität Hamburg, Linus Neumann vom Chaos Computer Club und Aline Robert vom Fakten-check-Projekt CrossCheck.

Die Podiumsteilnehmenden diskutierten unter anderem die Frage nach Monopolstellungen einiger weniger großer Medienhäuser kritisch. Die Konzentration mache die Arbeit unabhängiger Journalistinnen und Journalisten immer schwieriger. Gleichzeitig konkurrieren die traditionellen Medien mit immer neuen Nachrichtenportalen wie Internetplattformen wie Facebook und sehen sich Vorwürfen und gezielten Desinformationskampagnen ausgesetzt. Rasmus Kleis Nielsen wies darauf hin, dass er sich die Zeit der fünf Fernsehprogramme in seiner Kindheit nicht zurückwünsche und die Diversität der Medienlandschaft durchaus ein Fortschritt sei. Was ihm Sorgen mache, sei weniger, dass der Qualitätsjournalismus verschwinde, als dass er das Publikum der allgemein an Nachrichten Interessierten nicht mehr erreiche, das häufig nicht unterscheide, ob es sich um gut recherchierte Nachrichten oder um Fake news handele. Statt zu versuchen, die guten alten Zeiten heraufzubeschwören, müssten Journalistinnen und Journalisten mit guter Arbeit überzeugen und neue Finanzierungsmodelle entwickeln, die Rolle der Politik sei es, den Rahmen für guten und finanzierten Journalismus zu setzen.

Debatte nachhören

Rasmus Kleis Nielsen, Annika Sehl, Alessio Cornia: Public Service News and Digital Media

#DemDis

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