Merkels Vorratsdatenspeicherung mit Grundrechten nicht vereinbar

Erstellt am 09.07.2013

PRESSEMITTEILUNG - Brüssel/Berlin, 9. Juli 2013

Zur heutigen mündlichen Verhandlung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung erklären Dr. Konstantin von Notz, innen- und netzpolitischer Sprecher und Jan Philipp Albrecht, innen- und justizpolitischer Sprecher der Grünen Fraktion im Europäischen Parlament:

"Angela Merkel ist die Kanzlerin der Vorratsdatenspeicherung. Sie und die Union haben die EU-Richtlinie gegen breiten Widerstand in der Bevölkerung in Brüssel mit durchgesetzt. Das großkoalitionäre Umsetzungsgesetz ist 2010 vor dem Bundesverfassungsgericht krachend gescheitert. Das Gericht hat - auch mit Hinweis auf eine zu berücksichtigende Überwachungsgesamtrechnung - die denkbar höchsten Hürden für eine Neuauflage der Vorratsdatenspeicherung formuliert. Die anlasslose verpflichtende Speicherungen von E-Mail, Telefon- und Internetverbindungen von 500 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürgern für bis zu zwei Jahren ist nichts anderes als der Überwachungsstaat. Zu Recht haben deshalb mehrere Verfassungsgerichte von EU-Mitgliedstaaten die Umsetzung gestoppt.Der Europäische Gerichtshof hat jetzt die historische Chance, ein überzeugendes Grundrechtsprofil zu gewinnen.

Auch sollte der EuGH im Rahmen einer Überwachungsgesamtrechnung berücksichtigen, dass andere von der EU verfolgte Vorhaben wie die Bank- und Fluggastdatenspeicherung die Möglichkeiten für weitere Überwachung verfassungsrechtlich stark begrenzen. Der EuGH verhandelt auch im Lichte der Enthüllungen über die anlasslose Totalüberwachung europäischer Kommunikation durch die Geheimdienste. Sollte es dem Gericht vor dem Hintergrund der augenblicklichen Krise westlicher Verfassungsstaaten nicht gelingen, ein eindeutiges Votum zu finden, können wir das Kommunikationsgeheimnis getrost als Totalverlust abschreiben. Als Grüne setzen wir uns dafür ein, dass Kommunikationsgeheimnis zu stärken und Art. 10 GG bzw. die Art. 7 und 8 der EU-Grundrechtecharta zu einem umfassenden Telekommunikations- und Mediennutzungsgeheimnis auszubauen."

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