Die Asse

Erstellt am 26.03.2013

Bereits seit meiner frühen Kindheit bin ich immer wieder in der Asse spazieren gegangen. Die „Asse“, das ist ein Höhenzug im Kreis meiner Heimatstadt Wolfenbüttel in Südost-Niedersachsen. Obwohl ich sie vor allem mit den Erinnerungen ans Versteckspielen im Wald, den Ruinen der Asseburg und dem tollen Ausblick vom Bismarck-Turm verbinde, hat die Asse für mich mit den Jahren auch politische Symbolkraft bekommen. So hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt, dass ich dort in früher Kindheit immer wieder englischen Soldaten begegnet bin. Sie haben als Kind mein Interesse für die nahegelegene innerdeutsche Grenze und die damit verbundene Präsenz von Militär und Flugverbotszone geweckt. Zudem befindet sich in den stillgelegten Schächten des Asse-Bergwerks seit vielen Jahrzehnten das Atom-Klo „Asse II“, von dem meine Eltern berichten können, wie Ihnen als SchülerInnen bei Klassenausflügen in den 70ern die Verklappung von Atommüllfässern als natürlichste Sache der Welt präsentiert wurde. Heute ist Gewissheit, wovor über Jahre von WissenschaftlerInnen und UmweltschützerInnen gewarnt wurde: Die seit den 80er Jahren stattfindenden Wassereinbrüche in den ehemaligen Salzstock werden unvermeidlich zum „Absaufen“ des Bergwerks und damit zum Austritt radioaktiver Strahlung ins Grundwasser führen. Wegen der Vertuschung und Unverantwortlichkeit von Politik und Industrie müssen die SteuerzahlerInnen nun Milliarden zahlen, um die schlimmsten Folgen durch eine Rückholung zu beseitigen. Doch meine Asse und meine Heimatregion werden wohl nie wieder frei von dieser Belastung sein.

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