Fazit des 4. Grünen Polizeikongresses von Jan Philipp Albrecht

Pressemitteilungen, Polizei & Innenpolitik

PRESSEMITTEILUNG – Hamburg, 22. März 2015

Vorratsdatenspeicherung, gute Polizeiarbeit vor Ort und Ermittlungsmethoden abseits von Überwachung und Generalverdacht - darum drehten sich die Debatten beim gestrigen Grünen Polizeikongress von Jan Philipp Albrecht. Zum vierten Mal hatte der Abgeordnete für Hamburg im Europäischen Parlament und stellvertretende Vorsitzende des Innen- und Rechtsausschusses in die Räume der Universität Hamburg eingeladen, um mit 24 hochkarätigen Referentinnen und Referenten und rund 150 Gästen zu diskutieren. Auch die Frage der Sicherheit während möglicher Olympiaspiele in Hamburg kam bei dem Kongress zur Sprache.

Dabei ging es auch um reflexhafte Forderungen nach mehr Sicherheit durch mehr Überwachung, die Frage, wie weit der Staat gehen darf und die Anforderungen an eine Grüne Polizei- und Sicherheitspolitik. Dazu erklärt Jan Philipp Albrecht MdEP: "Über Jahre hinweg wurden Hunderte Millionen Euro in immer neue Datensammlungen über größtenteils unverdächtige Personen gesteckt, die dann bei Polizei und Justiz fehlten. Diese Entwicklung ist nicht nur eine Gefahr für die Grundwerte des demokratischen Rechtsstaats, sie bedroht auch die Sicherheit. Hier muss die Politik endlich umsteuern.“

Antje Möller MdHB und innenpolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion, ergänzt: „Auf dem Kongress wurde auch nach der Sicherheit im Zusammenhang mit der Olympiabewerbung gefragt. Auch wenn Hamburg nicht alleine entscheidet, muss mit Blick auf die Bürgerrechte aus grüner Sicht auch hier ein Konzept der Nachhaltigkeit gelten, also Verhältnismäßigkeit und soziale Verträglichkeit müssen eine gewichtige Rolle spielen.“

In beiden Eröffnungsreden sowie in den Workshops und Diskussionen setzten die Redner und Teilnehmenden durchaus unterschiedliche Akzente. Holger Münch, seit Dezember 2014 Präsident des Bundeskriminalamts, sprach in seiner Eröffnungsrede über die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit in einer global vernetzten Welt. Inzwischen laufe die Polizei den technischen Neuerungen häufig hinterher.

Prof. Bernd Belina, Goethe-Universität Frankfurt am Main, ging in seiner Eröffnungsrede auf das Verhältnis von Polizei und Bürgerinnen und Bürgern ein: „Wenn Städte oder die Polizei Arme oder Proteste aus bestimmten Gebieten in der Stadt heraushalten, dann ist das nichts anderes, als würden sie Armut oder Protest verbieten wollen. Das kann nicht im Sinne von Freizügigkeit und Gleichheit sein.“

In drei Workshops diskutierten die rund 150 Teilnehmenden mit den Referentinnen und Referenten anschließend über "Polizei und Rechtsstaatlichkeit", "Alternativen zum Generalverdacht" und die "Beziehung zwischen Polizei und Bürgerinnen und Bürgern". Themen der Workshops waren unter anderem die rechtstaatlichen Grenzen der Terrorabwehr, Versammlungsfreiheit, Stigmatisierung und Kriminalisierung und Alternativen zu anlasslosen Kontrollen.

Die Beiträge der Referentinnen und Referenten werden im Tagungsband zum Kongress erscheinen, mehr Informationen dazu und alles rund um den 4. Grünen Polizeikongress:

www.gruener-polizeikongress.de

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30. Mar 2015 Antwort Retweeten Favorit
Transparenz

Treffen mit InteressenvertreterInnen

Transparenz

Die folgende Liste dokumentiert die Treffen mit InteressenvertreterInnen, mit denen Jan Philipp Albrecht und sein Team im Rahmen der parlamentarischen Arbeit seit den Wahlen zum Europäischen Parlament im Mai 2014 Kontakt hatten. Aufgeführt sind einzelne Treffen und Veranstaltungen Dritter. Nicht aufgeführt sind Treffen mit Beteiligten aus anderen Europäischen Institutionen wie z.B. dem Ministerrat oder Treffen mit JournalistInnen.

Eine weitere Auflistung der Treffen und Veranstaltungen während Erstellung des Berichts zur Datenschutzgrundverordnung und der Zeit bis Mai 2013 gibt es hier.

Licht auf das Thema Lobbyismus und EU-Gesetzgebung wirft die Plattform Lobbycloud.

 

März 2015

27.03.2015 Jan trifft Deutschen Gewerkschaftsbund, Berlin

26.3.2015 Jan spricht bei DIVISI: "Recht auf Vergessenwerden", Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet, Berlin

26.3.2015 Jan, Luch Debate "Unter Verdacht: Medien unter Kontrolle", Goethe Institut, Brüssel

26.3.2015 Jan, ENISA Breakfast Debate zu IT-Sicherheit, Brüssel

23.3.2015 Jan, Datenschutzbeirat Telekom, Berlin

6.3.2015 Jan spricht bei "Berichterstatter im Dialog", Informationsbüro des Europäischen Parlaments in Deutschland, Berlin

4.3.2015 Jan trifft ARGE Netz GmbH & Co. KG, Brüssel

 

Februar 2015

24.2.2015 Jan trift Vertreter des Bundesamts für Verfassungsschutz, Brüssel

6.2. 2015 Ralf spricht bei European Voice Konferenz zu Data protection und Transatlantic Trade, Brüssel

5.2.2015 Ralf trifft Public Citizen wg TiSA / TTIP und Data Flows, Brüssel

3.2.2015 Jan spricht mit ENISA, Brüssel

3.2.2015 Jan spricht beim International Childhood Cancer Awareness Day 2015 ‘Balancing Personal Data Protection and Research Progress: The Case of Childhood Cancer, Brüssel

 

Januar 2015

27.1.2015 Jan Pressefrühstück mit Fabasoft, Berlin

26.1.2015 Jan trifft Juraprofessorin Uni Frankfurt, Frankfurt

26.1.2015 Jan Redner bei "Das Google-Urteil. Rettung oder Fluch für Online-Archive" im Presserechtsforum, Frankfurt

22.1.2015 Jan Redner bei "The Data Protection Reform: Have we found the right balance between fundamental rights and economic interests?", CPDP, Brüssel

20.1.2015 Jan diskutiert bei "Can the next EU regulation guarantee data protection for all?" viEUws, Brüssel

20.1.2015 Jan Redner beim "ABC4Trust Summit Event" in der Hessischen Landesvertretung, Brüssel

20.1.2015 Jan Redner bei "Trust, data and national sovereignty: solutions for a connected world", CEPS, Brüssel

16.01.2015 Jan besucht das Bundesamt für Verfassungsschutz, Berlin

8.1.2015 Ralf trifft Vertrerin der CNIL (nationale Datenschutzbehörde Frankreich), Brüssel

 

Dezember 2014

10.12.2014, Ralf trifft Third World Network, Brüssel

10.12.2014 Privacy Bridges project meeting, Brüssel

9.12.2014 Jan Redner beim 5th Annual Data Protection and Privacy Conference, Brüssel

5.12.2014 Ralf trifft SafeGov.org, Brüssel

4.12.2014, Jan trifft Europäische Wissenschaftsorganisationen, Brüssel

3.12.2014 Jan Redner beim Future-Internet-Kongress, Frankfurt

 

November 2014

26.11.2014 Ralf vertritt Jan bei: BIG DATA - Allmacht der Algorithmen? Ende der Grundrechte? Gefahr für die Demokratie?, Heidelberg

25.11.2014 Ralf trifft Toy Industries of Europe, Brüssel

24.11.2014 Jan, Datenschutzbeirat Telekom, Berlin

20.11.2014 Ralf trifft  Apple Global Head of Privacy, Brüssel

20.11.2014 Jan trifft Rechtsausschuss Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., Brüssel

20.11.2014 Ralf auf Panel One in a Billion—Max Schrems v. Facebook, IAPP Data Protection Congress, Brüssel

20.11.2014 Jan erhält Preis der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit e.V., Köln

19.11.2014 Zora trifft Nominet UK, Brüssel

18.11.2014 Ralf trifft Access Now, Brüssel

12.11.2014 Jan auf bei Paneldiskussion "EU Internet Bill of Rights" Landesvertretung Nordrhein-Westfalen, Brüssel

12.11.2014 Jan trifft  Sony, Brüssel

11.11.2014 Jan und Pia Mittagessen mit European Criminal Bar Association, Brüssel

5.11.2014 Jan als Redner bei "3 Years EU Data Protection Reform: Status and Perspectives", Diskussion auf Einladung von Andrea Vo?hoff, die Bundesbeauftragte fur den Datenschutz und die Informationsfreiheit, und Peter Hustinx, der Europaische Datenschutzbeauftragte, Brüssel

4.11.2014 Jan als Redner beim Workshop „Verbraucherpolitik: Wirtschaftspolitik von der Nachfrageseite“ Grundlagenworkshop zu Verbraucherpolitik: Digitaler Binnenmarkt, optionales Recht, TTIP , vzbv, Brüssel

3.11.2014 Jan trifft FEPS Scientific Council (Fondation d’Etudes Européennes Progressistes), Brüssel

 

Oktober 2014

17.10.2014 Pia trifft BRAK (Bundesrechtsanwaltskammer), Brüssel

17.10.2014 Ralf bei Grüner Akademie, Vortrag Freiheit im digitalen Zeitalter, Berlin

15.10.2014 Jan Mittagessen mit Präsidentin der CNIL, Mauritius

15.10.2014 Jan auf Panel zu Surveillance versus Dataveillance, Mauritius

14.10.2014 Zora trifft AFCAR Alliance for the Freedom of Car Repair, Brüssel

13.10.2014 Zora trifft Robert Bosch GmbH, Brüssel

10.10.2014 Jan als Redner beim "Technology-Panel" (Panel 2) bei der Tagung "Internet Governance" des HIIG, Berlin

9.10.2014 Ralf trifft EDRI, Brüssel

7.10.2014 Jan trifft Twitter International Company, Brüssel

1.10.2014 Ralf trifft Privacy Bridges Project, Brüssel

 

September 2014

30.09.2014 Jan trifft Noëlle Lenoir (EDPS-Kandidatin), Brüssel

30.09.2014 Jan trifft Center for Democracy & Technology, Brüssel

29.9.2014 Jan trifft Gruppe der Digitalcourage e.V., Brüssel

25.9.2014 Jan und Zora Mittagessen mit Vice President FSFE, Brüssel

24.9.2014 Jan Redner bei  Lunchdebate zu Breitbandausbau in BAWÜ, Brüssel

23.9.2014 Jan: Buchvorstellung und Diskussion "Finger weg!", Cloud-Anbieter Fabasoft, Wien

22.9.2014 Ralf trifft Privacy International und BEUC

17.9.2014 Jan trifft Google, Straßburg

15.9.2014 Jan: Datenschutzbeirat Deutsche Telekom, Darmstadt

11.09.2014 Ralf bei Lunchdebate „Datenschutzgrundverordnung - Was ist nötig, um die Datenschutzreform zum Erfolg zu führen? Handlungserfordernisse aus Sicht von Politik, Wissenschaft und Praxis“, Brüssel

10.09.2014  Jan Redner bei ver.di-Konferenz "Arbeitswelt, Selbstbestimmung und Demokratie im digitalen Zeitalter!", Berlin

3.9.2014 Ralf trifft Congressional Fellows, Brüssel

3.9.2014 Jan Redner beim Sommerfest der BMW Group Repräsentanz, Brüssel

3.9.2014 Ralf trifft World Wide Web Consortium

 

August 2014

Parlamentarische Sommerpause

Juli 2014

23.7. 2014 Zora trifft VZBV

 

Juni 2014

25.6.2014 Jan trifft  Juraprofessor University of California, Berkeley, Brüssel

25.6.2014 Jan trifft, International Association of Privacy Professionals (IAPP), Brüssel

23.6. 2014 Jan: Lunch mit Vertretern Datenschutzbeirat Telekom, Berlin

12.6.2014 Jan bei EuroDIG: Plenary Panel "The Internet is broken - Bringing back trust in the Internet", Berlin

10.6.2014 Jan trifft Google, Brüssel

 

 

 

 

Termine

Grüne Lesung

Finger weg von unseren Daten!

Termine

Wann? 7. April 2015, 19 Uhr

Wo? Geschäftsstelle des Grünen Kreisverbands, Schnellerstr. 23, 12439 Berlin

Der Kreisverband von Bündnis 90 / Die Grünen lädt am Dienstag, den 7. April um 19 Uhr zu einer Veranstaltung der Reihe „Grüne Lesung“ ein. Der bündnisgrüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht liest aus seinem Buch „Finger weg von unseren Daten – wie wir entmündigt und ausgenommen werden“. Im Anschluss diskutiert er mit den Anwesenden über Datenschutz im 21. Jahrhundert.

„Datenklau ist ein Eingriff in unsere Grundrechte – und dennoch lassen wir ihn zu.“ Der Europaabgeordnete ist Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments für die neue EU-Datenschutzgrundverordnung. Jan Philipp Albrecht bezeichnet Daten als das „Gold des 21. Jahrhunderts“ und den Kampf um Datenschutz als „letzte Schlacht um unsere Freiheit“. Was zunehmende Massenüberwachung durch Geheimdienste oder Datenklau durch große Wirtschaftskonzerne für den und die Einzelne bedeuten, legt er dar. Schließlich wird der Autor über Möglichkeiten sprechen, wie wir verantwortungsbewusst mit unseren persönlichen Daten umgehen sollten und was die Politik dafür tun kann. 

Jan Philipp Albrecht liest am 7. April um 19 Uhr in der Geschäftsstelle des Kreisverbands in der Schnellerstraße 23 aus seinem Buch. Alle interessierten Bürgerinnen und Bürger sind zu der kostenlosen Veranstaltung herzlich willkommen.

Hier geht es zur Webseite des Grünen Kreisverbands Treptow - Köpenick

 

 

Datenschutz- & Netzpolitik

NIS-Richtlinie: Verhandlungen wieder aufgenommen

Datenschutz- & Netzpolitik

Die 2013 von der Europäischen Kommission eingebrachte NIS-Richtlinie wurde von EU-Parlament und Rat Ende vergangenen Jahres diskutiert. Erklärte Ziele der Richlinie sind, die Netzwerk- und Informationssicherheit in der EU zu verbessern und Betreiber von Netzwerk- und Informationssystemen stärker in die Pflicht zu nehmen.

Unter italienischer Ratspräsidentschaft konnte sich nicht auf einen gemeinsamen Text geeinigt werden. Nach über drei-monatiger Verhandlungspause hat die lettische Ratspräsidentschaft angekündigt, die Verhandlungen mit dem Parlament fortzuführen. Das neue Mandat der Letten macht dem Parlament zwar einige Zugeständnisse, der vorgelegte Text des Rats ist jedoch deutlich schwächer, als der mit den Italienern verhandelte Kompromiss. Im Anwendungsbereich gibt es weitere Kritikpunkte: NIS bezieht sich v.a. auf sogenannte kritische Infrastrukturen. Weiterhin problematisch bleibt die Frage, wann ein Betreiber „kritisch genug“ ist. Dies soll von jedem Mitgliedstaat selbst definiert werden. Ob Bereiche der sensible Daten verarbeitenden Wirtschaft auch zum Anwendungsbereich der Richtline gehören sollen, ist noch Verhandlungssache.

IT-Sicherheit ist eine Vertrauensfrage. Schon jetzt lässt sich feststellen, dass die Mitgliedstaaten untereinander kaum zur Kooperation bereit sind. Aus Grüner Sicht verdient der Vorschlag zu NIS in der Sache Unterstützung, geht aber nicht weit genug. Bestenfalls dokumentieren die vorgeschlagenen Maßnahmen erfolgte Angriffe anonym und reagieren auf diese. Präventive Maßnahmen – etwa die verantwortungsvolle Veröffentlichung bekannter Sicherheitslücken oder die Schaffung von Anreizen für Hersteller von IT-Systemen, in mehr Sicherheit zu investieren – enthält die Richtlinie nicht. Parallel zu NIS läuft in Deutschland eine ähnliche Diskussion zum IT-Sicherheitsgesetz. Dazu gab es vor einer Woche eine Debatte im Bundestag. Eine Einschätzung des netzpolitischen Sprechers der Grünen Bundestagsfraktionvon, Konstantin von Notz, gibt es auf Grün Digital.

Justiz und Strafrecht

Europäische Staatsanwaltschaft: Innen- und Justizausschuss legt Stellungnahme vor

Justiz und Strafrecht

Am 9. März 2015 hat der federführende Innen- und Justizausschuss des Europäischen Parlaments (LIBE) eine Stellungnahme zu den laufenden Verhandlungen im Rat über die Schaffung einer „Europäischen Staatsanwaltschaft zur Bekämpfung der Kriminalität zu Lasten der finanziellen Interessen der Union“ (European Public Prosecutor´s Office, EPPO) angenommen.  Die große Mehrheit unterstützte den Entwurf von Berichterstatterin Monica Macovei (Europäische Volkspartei, Rumänien) zum Vorschlag der Europäischen Kommission mit einigen Änderungen.

In der Stellungnahme fordern die Abgeordneten unter anderem, dass das Europäische Parlament in die Benennung der EPPO eingebunden ist. Jede Entscheidung der EPPO, wie z.B. die Wahl der Gerichtsbarkeit und die Einstellung eines Verfahrens, soll richterlich überprüft werden können. Hinsichtlich der Zulässigkeit von Beweisen sowie den Beschuldigten- und Verfahrensrechten und den datenschutzrechtlichen Regelungen ist Macoveis Bericht aus Grüner Sicht akzeptabel. Insbesondere der Verweis auf die gemeinsamen Standards der Europäischen Ermittlungsanordnung konnte auf Drängen der Grünen und Sozialdemokraten aufgenommen werden.

Die Justizminister haben sich am 13. März 2015 über die aktuellen Vorschläge ausgetauscht. Strittig ist u.a. ein möglicher Vergleich. Ob sich die Justizminister beim Ministerrat am 12. Juni 2015 auf eine gemeinsame Position ("general approach") einigen können, ist noch unklar. Das Europäische Parlament darf das Resultat der Ministerratsverhandlungen dann lediglich ablehnen oder bestätigen.

Briefing

EU-Mitgliedstaaten verwässern den Datenschutz

Datenschutz- & Netzpolitik

Der Rat der europäischen Innen- und Justizminister erzielte am Freitag, den 13. März 2015, eine weitere Teileinigung zur Datenschutzgrundverordnung. Dabei wurde auch Kapitel II, das die Grundprinzipien der Verordnung regelt, beschlossen. Schon im Vorfeld hatte die Bürgerrechtsorganisation EDRi interne Dokumente zum aktuellen Verhandlungsstand veröffentlicht. Der Rat will es den Datenverarbeitern nun erlauben, den Verwendungszweck einmal erhobener Daten im Nachhinein zu ändern, sogar auf Basis völlig unspezifischer „berechtigter Interessen Dritter“. Nutzerinnen und Nutzer würden damit jegliche Kontrolle über ihre Daten verlieren. Damit ist eindeutig eine rote Linie für das Europäische Parlament überschritten. Auch die Charta der Grundrechte der EU (Artikel 8) sieht eine Zweckbindung vor.

Vor der Ratssitzung veröffentlichte das Projekt LobbyPlag eine Analyse, die Deutschland als Spitzenreiter beim Verwässern des Datenschutzes ausmacht: 62 Änderungen, die den Datenschutz schwächen und nur 11, die ihn stärken, wurden laut LobbyPlag in die Verhandlungen eingebracht. Auch der Spiegel (11/2015) berichtete, wie Deutschland im Rat Industrieinteressen vertritt und wie eng der Kontakt zu Lobbyisten ist. Als nächstes diskutiert der Innen- und Justizministerrat die Betroffenenrechte (Kapitel III) und die Sanktionen bei Datenschutzverstößen (Kapitel VIII). Bis Juni 2015 soll ein Kompromiss für den gesamten Gesetzestext erzielt werden. Anschließend wird es dann endlich in den Trilog - die Verhandlungen zwischen Europäischer Kommission, Europäischem Parlament und Ministerrat - gehen, damit die Datenschutzgrundverordnung bis Ende des Jahres abgeschlossen werden kann. Sie wird mit einer zweijährigen Übergangszeit in der gesamten Europäischen Union in Kraft treten.

Treffen der Innen- und Justizminister: Unternehmen sollen Daten ohne Zustimmung weiterverwenden dürfen

Pressemitteilungen, Datenschutz- & Netzpolitik

PRESSEMITTEILUNG – Berlin, 13. März 2015

Heute haben sich die Innen- und Justizminister in ihrer Debatte über die Datenschutzverordnung unter anderem auf eine gemeinsame Position zum Kapitel 2 geeinigt. Darin geht es um die Voraussetzungen, unter denen Unternehmen und Behörden Daten von Verbrauchern für weitere Zwecke nutzen dürfen. Die Regierungen einiger Mitgliedstaaten wollen es Unternehmen und Behörden erlauben, die Daten der Verbraucher ohne deren Zustimmung für andere Zwecke als die ursprünglich vereinbarten zu nutzen ("Zweckänderung"). Dazu  erklärt der Grüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht, Berichterstatter des Europäischen Parlaments für die EU-Datenschutzverordnung:

„Es ist enttäuschend, dass sich die Mehrheit der Minister trotz öffentlichen Widerstands für eine Aufweichung der Zweckbindung ausgesprochen hat. In den Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament wird eine Einigung nun deutlich schwerer, da dieses sich im Gegensatz dazu für eine Stärkung des Grundsatzes im Vergleich zur jetzigen Regelung ausgesprochen hatte. Um eine baldige Einigung zwischen Ministerrat und Parlament nicht vollends unmöglich zu machen, müssen die Minister nun bei den individuellen Rechten der Verbraucher und den Sanktionen im Falle von Datenschutzverletzungen einen hohen Standard liefern. Anderenfalls wäre die Basis für eine vertrauensvolle Reform verspielt.“

EU-Innen- und Justizministerrat zu Datenschutz: Verbraucherrechte nicht verscherbeln!

Pressemitteilungen

PRESSEMITTEILUNG – Straßburg, 11. März 2015

Beim morgen (12. März)  beginnenden Austausch der EU-Innen- und Justizminister geht es auch um die EU-Datenschutzreform. Die deutsche Bundesregierung, die britische Regierung und andere wollen es Unternehmen und Behörden erlauben, die Daten der Verbraucher ohne deren Zustimmung für andere Zwecke als die ursprünglich vereinbarten zu nutzen ("Zweckänderung"). Dazu  erklärt der Grüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht, Berichterstatter des Europäischen Parlaments für die EU-Datenschutzverordnung:

„Die Minister sollten sich davor hüten, die Standards für den Datenschutz weiter aufzuweichen. Wenn sie eine baldige Einigung mit dem Europäischen Parlament auf ein einheitliches EU-Datenschutzrecht erreichen wollen, dürfen sie das Datenschutzniveau nicht absenken. Von Beginn an hat auch die Bundesregierung den europäischen Verbrauchern versprochen, dass die neue EU-Verordnung keinen niedrigeren Datenschutz bietet, als die jetzt geltende Richtlinie von 1995. Mit ihren Vorschlägen zur leichteren Zweckänderung ohne die Zustimmung der Verbraucher droht die Bundesregierung diese Hürde nun zu reißen. Daten könnten dann auch für Werbung oder Kreditwürdigkeitsabschätzung verwendet werden, wenn dies ursprünglich gar nicht vorgesehen war. Die Bundesregierung tut derweil so, als würde sie die Rechte der Bürgerinnen und Bürger schützen. In Wirklichkeit erledigt sie die Arbeit der Wirtschaftsvertreter und macht so aus der Datenschutzreform einen Steinbruch der Verbraucherrechte zu Gunsten der Internetkonzerne. Das ist schäbig. Auf der kommenden Ratssitzung muss sie jeder Absenkung der Datenschutzstandards eine klare Absage geben."

Die geheimen Ratsdokumente sind hier veröffentlicht:

www.lobbyplag.eu

Eine Einschätzung der Dokumente aus Sicht der Verbraucher gibt es hier:

www.gutjahr.biz

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