» EP-Delegation: Ramallah, Gaza-Streifen und Kibutz

Nach dem Besuch im Institut for National Security Studies in Tel Aviv ist unsere Delegation am Montagabend nach Jerusalem gefahren, wo ich unmittelbar nach dem Check In im Hotel durch Nick Pelham vom ICG in Jerusalem abgeholt und mit nach Ramallah genommen. Dort waren wir zum Abendessen gemeinsam mit MitarbeiterInnen des Deutschen Entwicklungsdienstes (ded) und einer Mitarbeiterin der WHO im Gaza-Streifen eingeladen und hatten interessante Gespräche über die aktuelle Situation aus einer etwas anderen Perspektive. Das hat mir nach der sehr unkritischen Analyse des Sicherheitsinstituts gut getan, obwohl immer wieder deutlich wurde, wie wenig die NGOs überhaupt noch an eine akzeptable Verhandlungslösung in dieser extremen Lage glauben. Nick, der aus Großbritannien kommt und in Westjerusalem lebt, war dann auch der Meinung, dass die Europäische Union schlichtweg den palästinensischen Staat in den Grenzen von ‘67 anerkennen und den Rückzug der Israelis bei gleichzeitiger Einigung über einen begrenzten Landaustausch fordern sollte. Anderenfalls würde es nie eine Bewegung geben.


Nach einer wiederum viel zu kurzen Nacht in einem wiederum ziemlich luxuriösen Hotelzimmer ging es dann am Dienstagmorgen mit dem Delegationsbus zum Gaza-Streifen. Nach einem Zwischenstopp an der nordöstlichen Grenze, von wo wir einen guten Blick über den Verlauf des Zaunes bis nach Gaza Stadt hatten, fuhren wir den Grenzstreifen endlang nach Süden. Einen Blick in die Städte in Gaza war nicht vorgesehen, was ich beim Blick in das Land als extremes Manko empfand (obwohl ich bei unserer letzten Reise noch Bedenken hatte, weil es mir zu gefährlich schien). Nachdem wir an etlichen Sicherheitsposten und Armeestützpunkten vorbei an der ägyptischen Grenze angekommen sind, wurden wir von Mitarbeitern des israelischen Verteidigungministeriums über die Grenzübergangsanlage Kerem Shalom geführt. Dieser einzig überirdische Grenzübergang ist die einzige Möglichkeit für Fahrzeuge – insbesondere alle Lastwagen mit Versorgungsgütern – in den Gaza-Streifen zu gelangen. Mit einem enormen Aufwand und umfassenden Sicherheitsvorkehrungen (ein Mauersektor nach dem anderen, zahlreiche Militärposten) werden die Fahrzeuge hier mit Röntgenstrahlen durchleuchtet, vollständig entladen und wieder beladen sowie alles minutiös auf die sehr rigiden Einlasskriterien überprüft. In dieser riesigen Anlage arbeiten neben dem israelischen Sicherheitspersonal vor allem Palästinenser aus der Westbank.


Nach dieser beeinruckenden Tour wurde unsere Delegation zum Mittagessen in ein nahegelegenen Kibutz gebracht. Das sind israelische Ansiedlungen die in der Anfangsphase der Staatsgründung Israels von Gemeinden mitten auf dem Land aufgebaut und zunächst in Form eine gemeinschaftlichen Kommune geführt wurden. Die Kibutzine betrieben vor allem Landwirtschaft, entschieden in der Gemeinschaft und lebten von vergemeinschafteten Gütern. Die GründerInnen verfolgten dabei quasi einen kommunistischen Gedanken. Davon ist heute aber nichts mehr zu sehen. Außer vielleicht der gemeinsame Essenssaal im Zentrum des Kibutz, wo alle Veranstaltungen und Diskussionen in der Gemeinde stattfinden. Allerdings zeigt sich auch hier der Wandel: Statt das Essen selbst zu kochen und zu genießen, haben die Kibutzine eine Cateringfirma von außen angeheuert und kaufen sich ihr Essen individuell. Die kapitalistische Gesellschaft hat sich hier durchgesetzt wie im restlichen Israel. Wenn nicht sogar noch stärker.

Ein Kommentar zu 'EP-Delegation: Ramallah, Gaza-Streifen und Kibutz'

  1. Katja schreibt:

    Hallo Jan,
    Nick Pelham hat absolut Recht! Die Anerkennung der Grenzen von 67 ist Grundvoraussetzung für einen Frieden!!
    Damit muss sich die EU auseinandersetzen. Gruß, Katja

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